zu Bild 1: Martinskirche Oberesslingen, Innenansicht des Zustands 1957-2003.
Der ursprüngliche Bau von 1828 im Kameralamtsstil war ein einfacher Predigtsaal mit Rückempore und Seitenemporen, an dessen flacher Frontseite über dem Altar die Kanzel angebracht war, darüber ein später farbig gestaltetes halbrundes Glasfenster. Es herrschte das Gesetz der Symmetrie.
1956/57 erfolgte eine einschneidende Umgestaltung mit Choranbau und Beseitigung der Symmetrie, Ideengeber dafür war Dr. Walter Supper in Verbindung mit dem Gemeindepfarrer Wilhelm Berner. Im Mittelpunkt stand dominant das neue Kruzifix von Karl Hemmeter. Der Chor erhielt eine abgehängte Decke. Kennzeichnend für die fünfziger Jahre war u.a. die indirekte Beleuchtung. Der Rotfärbung der Decke stand das kühle Grau der Seitenteile gegenüber.
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Bild 2: Innenansicht 2004 nach Umsetzung eines neuen künstlerischen Gesamtkonzepts von Bernhard Huber
zu Bild 2: Innenansicht 2004 nach Umsetzung eines neuen künstlerischen Gesamtkonzepts von Bernhard Huber.
Die als unbefriedigend empfundenen Lichtverhältnisse im Chor samt der farblichen Gesamtgestaltung wurden durch die Öffnung des Chordachs (Glasdach) verändert. Der Lichteinfall von oben wertet den Chor auf und wird unterstrichen durch die Wandmalerei von Bernhard Huber mit ihrer Linienstruktur, die ein ganzes Spektrum von Interpretationsmöglichkeiten eröffnet. Das Kruzifix ist jetzt in ein österliches Licht gerückt.
Insgesamt wurde die Grundstruktur von 1956/57 bewusst belassen, durch eine neue Farbgebung und weitere Maßnahmen wurde jedoch eine neue qualitative Aussage intendiert. Aus dem fahlen Rot der Decke ist jetzt ein gesättigtes Rot geworden, in dem auch die Säulen gestrichen sind. Aus dem kühlen Grau wurden gesättigte Blau- und Grüntöne , die in der Farbgebung der Bänke aufgenommen sind. Es ergibt sich eine Polarität von Himmel und Erde, Vertikale und Horizontale. Durch viele Details, z.B. die Ausleuchtung des Schiffs, wird der Baukörper in seinen klaren Formen sichtbar.
Der Chorbereich ist in das Schiff hinein verlängert, der liturgische Handlungsbereich und die Gemeinde sind stärker aufeinander bezogen. Neuer Altar, Taufstein und Ambo (Entwurf Bernhard Huber) korrespondieren einander. Der Eingangsbereich wurde durch eine Öffnung nach außen ebenfalls umgestaltet.
Schließlich wurde die dreimanualige Orgel von 1958 durch die Firma Mühleisen klanglich und technisch verbessert.
Buch zur Martinskirche:
Im Verlag Schnell+Steiner (Regensburg) erschien ein sehr ansprechend aufgemachtes Büchlein mit dem Titel "Atmosphärenwandel" Martinskirche Esslingen Ein künstlerisches Gesamtkonzept von Bernhard Huber, herausgegeben von Jörg Bauer und Johannes Dürr.
Es umfasst 56 Seiten und enthält nach einem Vorwort von Dr. Jörg Bauer (Pfarrer an der Martinskirche) Beiträge von Reinhard L. Auer (Kunstbeauftragter der Landeskirche), Johannes Dürr (bis Anfang 2004 Pfarrer an der Martinskirche) und Bernhard Huber, dem Künstler. Die Beiträge beschreiben und würdigen dieses ungewöhnliche Projekt von hohem künstlerischem Rang. Ferner ist die Geschichte des Kirchengebäudes mit seiner Ausstattung dargestellt. Eine reiche Bebilderung macht Vergangenheit und Gegenwart des Gebäudes anschaulich.
Vertrieben wird das Büchlein in der Gemeinde über das Pfarramt der Martinskirche, Abholung zu den Öffnungszeiten des Gemeindebüros, oder im Buchhandel zum Preis von 9,90 Euro; ISBN: 3-7954-1800-3.
"Atmosphärenwandel" - Martinskirche Esslingen - Ein künstlerisches Konzept von Bernhard Huber