07.07.2010

Übers Handarbeiten mehr voneinander erfahren

„Strick- und Schwätztreff für Frauen aus aller Welt“ im Evangelischen Gartenstadthaus Oberesslingen bringt Frauen ins Gespräch.

Kaum hat Türkan Köcer ihre filigrane Häkelei ausgepackt, ist die junge Kurdin auch schon umringt von Frauen, die ihr neugierig über die Schulter schauen, während aus dünnen Fäden eine Borte aus zarten Blüten für ein Kopftuch entsteht. Die Frauen sind zum „Strick-und Schätztreff für Frauen aus aller Welt“ ins Familienzentrum im Evangelischen Gartenstadthaus in Oberesslingen gekommen, um bei Handarbeiten ins Gespräch zu kommen. Die Initiatorinnen Renate Fischer-Espey, Gertraud Fohrer, Mine Balci und Ayfer Onar haben zuvor Kaffee, Tee und Gebäck vorbereitet, damit es auch richtig gemütlich wird. 30 Frauen verschiedener Altersgruppen und unterschiedlicher Herkunft kamen bereits auf die erste Einladung zum Treff ins Familienzentrum. Deshalb findet er nun regelmäßig alle zwei Wochen immer donnerstags statt.
 
Die Handarbeiten sollen Türen öffnen, und Trennendes wie Herkunft, Kultur, Alter oder Bildungsstand zu überwinden. „Die Leute sollen sich kennenlernen, voneinander erfahren, nur so kann Verständnis füreinander und damit auch Integration entstehen“, erklärt Renate Fischer-Espey, die Leiterin des Familienzentrums, dass der Treff ein Baustein im Konzept des neuen Stadtteil-Hauses ist, das die Evangelische Kirchengemeinde Oberesslingen verantwortet.


Begegnung steht im Mittelpunkt
 
„Die Begegnung ist das Wichtigste. Man kann auch ohne Handarbeit kommen“, ergänzt Gertraud Fohrer, vom Krankenpflegeverein Oberesslingen. So wie Gertraude Ermert, die mit ihrer türkischen Freundin Nevin Davul zu ersten Mal vorbeischaut. „Wir wollen einfach Leute kennenlernen und miteinander reden, neue Erfahrungen machen“, bedauert sie, dass sie das Strickzeug heute noch zuhause gelassen hat. Denn die beiden hoffen, sich auch den einen oder anderen Rat bei Handarbeiten holen zu können.
 
Hazime Göcer ist ebenfalls zum ersten Mal dabei. Die junge Kurdin ist neu zugezogen in die Gartenstadt und will gerne andere Frauen kennenlernen. „Ich war einfach neugierig, wie das hier läuft.“ Ursula Hanselmann hat zwei einfache Gründe den Treff zu besuchen: „Ich mache gerne Handarbeiten und unterhalte mich gerne. Hier lässt sich beides prima verbinden“, sagt sie, während sie an einer Socke strickt.
 
Lebhafte Gespräche

Nach und nach kommen immer mehr Frauen in den Gemeindesaal im Gartenstadthaus und werden freundlich begrüßt. Rasch mischt sich die Runde, die Gespräche werden lebhafter, drehen sich um Alltagsdinge, die Schulnoten der Kinder oder gemeinsame Bekannte. Mine Balci hat selbstgemachten Schmuck und gehäkelte Taschen dabei. „Wenn ihr wollt, zeige ich euch, wie das geht“, verspricht sie.

Die Türkin, die seit 40 Jahren in Deutschland lebt, hat die Idee einen „Strick- und Schwätztreffs“ begeistert aufgenommen. „Über die Handarbeiten kommen sich deutsche und ausländische Frauen näher. Das geschieht sonst selten. Ich will, dass vor allem die türkischen Frauen mal aus den Familien rauskommen und etwas anderes sehen“, betont die resolute Frau, deren Anliegen es ist, Barrieren abzubauen und sich einander Hilfe zu geben – ob beim Socken stricken oder bei Lebensfragen. „Ich würde mich auch für Kindererziehung interessieren“, sagt etwa Türkan Köcer, die drei kleine Kinder hat.
 
Treff erweitert den Horizont
 
Renate Fischer-Espey kann sich deshalb gut vorstellen, dass der Treff inhaltlich erweitert wird. „Frauen könnten ihre Kultur, ihre Lebensgeschichte oder ihr Lieblingsbuch vorstellen, um sich so gegenseitig besser kennenzulernen“, schlägt Ayfer Onar vor. „Das erweitert den Horizont und weckt Verständnis füreinander“, ist Renate Fischer-Espey von der Idee begeistert.

•  Strick- und Schwätztreff für Frauen aus aller Welt, alle zwei Wochen donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr im Familienzentrum im Evangelischen Gartenstadthaus, Pfostenackerweg 23, Oberesslingen.
 
Nächste Termine: 15.7., 29.7. Nach der Sommerpause findet der Treff wieder statt ab dem 23. September. Kontakt: Renate Fischer-Espey, 0711 – 16 22 14 49 oder Mine Balci 0176-42 01 47 57


Autor: Ulrike Rapp-Hirrlinger

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