Martinskirche Oberesslingen

Bild 1: Martinskirche Oberesslingen, Schorndorfer Str. 42,

wurde im Jahre 1828 erbaut.

Bild 2: Eingangsportal wurde im Jahre 1973 eingebaut , der Künstler der Türen ist der Bildhauer Ulrich Henn.

Innenraumgestaltung - Gesamtkonzept 2004 — Bernhard Huber

Bild 1: Innenansicht des Zustands 1957-2003

zu Bild 1: Martinskirche Oberesslingen, Innenansicht des Zustands 1957-2003.


Der ursprüngliche Bau von 1828 im Kameralamtsstil war ein einfacher Predigtsaal mit Rückempore und Seitenemporen, an dessen flacher Frontseite über dem Altar die Kanzel angebracht war, darüber ein später farbig gestaltetes halbrundes Glasfenster. Es herrschte das Gesetz der Symmetrie.


1956/57 erfolgte eine einschneidende Umgestaltung mit Choranbau und Beseitigung der Symmetrie, Ideengeber dafür war Dr. Walter Supper in Verbindung mit dem Gemeindepfarrer Wilhelm Berner. Im Mittelpunkt stand dominant das neue Kruzifix von Karl Hemmeter. Der Chor erhielt eine abgehängte Decke. Kennzeichnend für die fünfziger Jahre war u.a. die indirekte Beleuchtung. Der Rotfärbung der Decke stand das kühle Grau der Seitenteile gegenüber.

 

Bild 2: Innenansicht 2004 nach Umsetzung eines neuen künstlerischen Gesamtkonzepts von Bernhard Huber

zu Bild 2: Innenansicht 2004 nach Umsetzung eines neuen künstlerischen Gesamtkonzepts von Bernhard Huber.


Die als unbefriedigend empfundenen Lichtverhältnisse im Chor samt der farblichen Gesamtgestaltung wurden durch die Öffnung des Chordachs (Glasdach) verändert. Der Lichteinfall von oben wertet den Chor auf und wird unterstrichen durch die Wandmalerei von Bernhard Huber mit ihrer Linienstruktur, die ein ganzes Spektrum von Interpretationsmöglichkeiten eröffnet. Das Kruzifix ist jetzt in ein österliches Licht gerückt.


Insgesamt wurde die Grundstruktur von 1956/57 bewusst belassen, durch eine neue Farbgebung und weitere Maßnahmen wurde jedoch eine neue qualitative Aussage intendiert. Aus dem fahlen Rot der Decke ist jetzt ein gesättigtes Rot geworden, in dem auch die Säulen gestrichen sind. Aus dem kühlen Grau wurden gesättigte Blau- und Grüntöne , die in der Farbgebung der Bänke aufgenommen sind. Es ergibt sich eine Polarität von Himmel und Erde, Vertikale und Horizontale. Durch viele Details, z.B. die Ausleuchtung des Schiffs, wird der Baukörper in seinen klaren Formen sichtbar.


Der Chorbereich ist in das Schiff hinein verlängert, der liturgische Handlungsbereich und die Gemeinde sind stärker aufeinander bezogen. Neuer Altar, Taufstein und Ambo (Entwurf Bernhard Huber) korrespondieren einander. Der Eingangsbereich wurde durch eine Öffnung nach außen ebenfalls umgestaltet.


Schließlich wurde die dreimanualige Orgel von 1958 durch die Firma Mühleisen klanglich und technisch verbessert.

Versuch einer Würdigung

Die Neugestaltung stellt einen originellen Versuch dar, auf dem Hintergrund der heterogenen Geschichte eines Raumes eine neue künstlerische Qualität zu erreichen. Der Künstler Bernhard Huber, geb. 1964, hat sich durch vielerlei Arbeiten mit Industrieglas und Floatglasmalerei profiliert, inzwischen auch durch Gestaltung und Mitgestaltung von Sakralräumen, zuletzt des Bereichs des Aposteltors der Stiftskirche Stuttgart (Glasstellen und Buntglasfenster), zuvor in St. Maria Mössingen, der Stephanuskirche in Stuttgart-Dürrlewang und der Heilig-Kreuz-Kirche in Stuttgart-Sommerrain.


Exemplarisch ist auch die Beteiligung von Verantwortlichen und Interessierten aus der Gemeinde am langjährigen Prozess der Erarbeitung der Neukonzeption.

Artheon – Kunstpreis

Die Evangelische Kirchengemeinde Oberesslingen und der Künstler Bernhard Huber wurden von der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche für die Gestaltung des Innenraumes mit dem "Artheon – Kunstpreis" ausgezeichnet. Dieser Kunstpreis wurde dem Künstler Bernhard Huber und der Evangelischen Kirchengemeinde Oberesslingen am 26. April 2008 in Augsburg verliehen.