Solaranlage Ertinger - Haus

Evang. Martinsgemeinde Oberesslingen, 73730 Esslingen, Baden-Württemberg

Bericht von Johannes Dürr ( Projektleiter) und damaliger Pfarrer der Martinskirchengemeinde Oberesslingen.

 

Nähert man sich dem Haupteingang des Ertinger - Hauses, so fällt schon auf den ersten Blick die Solaranlage auf dem Flachdach auf. Mit ihr wollte die Martinskirchengemeinde ein Zeichen der Verantwortung der Kirche für die Bewahrung der Schöpfung setzen. Nach über dreijährigen Überlegungen und Planungen wurde die Anlage am 20. Juli 2002 eingeweiht. Bis Ende Juli 2008 konnten rund 13370 kWh eingespeist werden - dies entspricht einer Einsparung von 8.570 kg CO2.

Wie kam es zur Solaranlage?

Erster Anlass war ein Vorschlag im Kirchengemeinderat, einen Solartarif beim Strombezug zu wählen. Kurz darauf wurde eine Förderinitiative der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU) publik: , 300 Kirchengemeinden für die Solarenergie'. Schnell ergab sich die Meinung: Warum die schwer durchschaubaren Initiativen anderer fördern, anstatt selbst Solarstrom zu erzeugen?

Umsetzung des Projekts

Die örtlichen Gegebenheiten entsprachen einer wichtigen Vorgabe der DBU, nämlich mit einer solchen Vorlage in der Öffentlichkeit für Solarenergie zu werben: das Ertinger - Haus wird in hohem Maß von der Öffentlichkeit genutzt. So wurden weitere Schritte zu einer Realisierung unternommen in Verbindung mit dem Gebäudeeigentümer, der Gesamtkirchengemeinde Esslingen, und der Energieberatung des Evang. Oberkirchenrats. Da im Ertinger - Haus verhältnismäßig wenig Warmwasser gebraucht wird, war klar, dass eine thermische Anlage zur Erzeugung von Warmwasser nicht sinnvoll ist. So wurde eine Photovoltaik - Anlage zur Erzeugung von Strom beantragt. Im Juli 2000 bewilligte die DBU über 23.000 DM an Fördermittel für die  Anlagetechnik und 11.700 DM für die öffentlichen Maßnahmen. Diese Bewilligung gab den Anstoß zu einer im Prinzip anstehenden Sanierung des Flachdaches. Sie wurde verbunden mit einer besseren Wärmedämmung und einer Dachbegrünung. Nachdem diese erfolgten, konnte die Anlage angebracht werden. Weitere Maßnahmen schlossen sich an: Öffentlichkeitsarbeit in Verbindung mit dem Agenda - Projekt ´Solarprofit` der Stadt Esslingen, Maßnahmen zu ökologischem Nutzverhalten und schließlich der Ersatz der alten ÖL-Zentralheizungsanlage für das Ertinger - Haus, Kirche und Wohnungen durch eine Gastherme mit Brennwerttechnik im Herbst 2003. - Nebenbei sei erwähnt,dass das Projekt auch den Anstoß zu einer Homepage der Kirchengemeinde gab, die Anfang des Jahres 2000 eingerichtet wurde.

Hier noch einige Fotos zur Anlage

Technische Angaben

Es handelt sich um eine netzgekoppelte Anlage. Auf dem Flachdach aufgeständert sind zwei parallele Stränge von je 10 Modulen mit einer realen Nennleistung von je ca. 105 Wpeak, Gesamtleistung 2,1 KWp. `Offiziell`hatten die Module beim Einbau eine Leistung von 130 Wpeak. Wie sich Jahre nach der Installation heraus stellte, wurden aber Module mit einer erheblich geringeren Leistung eingebaut. Im Sommer ergibt sich vormittags zeitweise eine Verschattung durch den Kirchturm, im Winter nachmittags durch einen Dachvorsprung. Dies wurde in Kauf genom-men,da der Gemeinde stark an der Öffentlichkeitswirkung lag. Der Ertrag ist unter Berücksichtigung der realen Nennleistung im oberen Bereich der Möglichkeiten anzusiedeln.

Aktuelle Situation

Ertragsmengen seit Inbetriebnahme der Anlage und im laufenden Jahr sowie die momentane Einstrahlung können an einer Schautafel neben dem Haupteingang abgelesen werden. Ein Datenlogger im Keller des Ertinger - Hauses ermöglicht die Erfassung der Einstrahlung und des erzeugten Stroms als Tagesmittelwert und in festgelegten Intervallen von zurzeit 10 min. Dies ermöglicht zum Beispiel eine bessere Einschätzung der Verschattung.

 

Bewahrung der Schöpfung - zum Lob Gottes

 

Der Auftrag, die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren ( 1.Mose 2,15), bedeutet ganz konkret,sich für die Nachhaltigkeit einzusetzen. Statt, dass der Mensch in 200 Jahren die fossilen Energien aufbraucht, die in über 200 Millionen Jahren durch die Einstrahlung der Sonne entstanden sind, sollen gezielt regenerative Energien gefördert werden. Die DBU hat hier in den Kirchen wichtige Kooperationspartner für einen Bewusstseinswandel gesehen. Der Beitrag der Kirchengemeinde dazu ist sicher bescheiden und doch ein Zeichen in die richtige Richtung - und so mag man das Projekt auch als einen Beitrag zum Lob Gottes verstehen - gemäß dem Sonnengesang von Franz von Assisi:

 

`Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, vornehmlich mit der edlen Herrin, Schwester Sonne, die uns den Tag schenkt durch ihr Licht und schön ist sie, und strahlend in großem Glanze: Dein Sinnbild, Höchster!`