15.03.21

Vesperkirche

12. Esslinger Vesperkirche endet – die Begegnungen fehlten allen Beteiligten.

© U. Rapp-Hirrlinger

© U. Rapp-Hirrlinger

© U. Rapp-Hirrlinger

© U. Rapp-Hirrlinger

© U. Rapp-Hirrlinger

Essen „to go“ statt „Gemeinsam an einem Tisch“ – die 12. Esslinger Vesperkirche war komplett anders als in den Jahren zuvor als sich Menschen in der Frauenkirche zum gemeinsamen Mittagessen versammelten. Und doch sei die Entscheidung richtig gewesen, die Vesperkirche nicht wie im vergangenen Jahr ausfallen zu lassen und stattdessen Essen zum Mitnehmen anzubieten, sagt der Esslinger Dekan Bernd Weißenborn. „Es war eine andere, stille Vesperkirche, aber es war uns wichtig, wenigstens ein kleines Angebot zu machen. Denn es ist unsere Aufgabe als Kirche, an der Seite der Bedürftigen zu stehen und uns nicht zurückzuziehen.“

Täglich wurden so rund 80 Tüten mit einem eingeschweißten warmen Essen, wahlweise vegetarisch, Obst zum Nachtisch, Serviette, Holzbesteck, Schutzmaske und einem kleinen geistlichen Impuls am evangelischen Gemeindehaus am Blarerplatz ausgegeben, berichtet Vesperkirchenleiter Bernd Schwemm. 1,50 Euro mussten die Gäste dafür bezahlen, der Wert der Tüte belief sich auf acht Euro. War der Bedarf höher, gab Schwemm Gutscheine für das nahegelegenen Asia-Restaurant Noodle One aus.

In diesem Jahr richtete sich das Angebot ausschließlich an Bedürftige. Das habe auch gut geklappt. „Die Vesperkirche  hat die Not sichtbar gemacht“, sagt Weißenborn. Vor allem Ältere, darunter viele Frauen, nahmen das Angebot dankbar an. So waren Schwemms anfängliche Bedenken, ob das eingeschweißte Essen überhaupt angenommen würde, unbegründet. Oft waren die 80 Essen, die der Esslinger Menüdienst lieferte, rasch ausverkauft. Und am letzten Tag verzeichnete die Vesperkirche „to go“ nochmals einen großen Ansturm.

Lange habe man in der Vorbereitungsphase auf eine Entspannung der Corona-Lage gehofft, um ein – wenn auch abgespecktes – Begegnungsprojekt auf die Beine stellen zu können. Man habe deshalb geraume Zeit zweigleisig geplant, sagt Schwemm. „Am Essen zum Mitnehmen wollten wir aber auf jeden Fall festhalten“, betont Weißenborn. „Doch wir haben auch gemerkt, was uns dabei fehlt.“

Vor allem die Begegnung der Menschen untereinander sei nur sehr eingeschränkt möglich gewesen. Umso wichtiger war es, dass neben Schwemm jeden Tag auch Ehrenamtliche vor Ort waren, die sich nicht nur um die Einhaltung der Hygieneregeln kümmerten, sondern auch zum Gespräch zur Verfügung standen. Auch Beratungsangebote, Gottesdienste und Kulturprogramm fielen der Pandemie zum Opfer.

Dennoch ziehen Weißenborn und Schwemm eine positive Bilanz: Probleme habe es keine gegeben, freut sich Schwemm. Vielmehr seien die Gäste sehr diszipliniert gewesen und hätten sich oft gegenseitig auf Abstandhalten oder Maskentragen aufmerksam gemacht. Auch die Anwohner hätten positiv reagiert. Eine benachbarte Gastronomin habe für die Besucher sogar Tische und Stühle aufgestellt, berichtet der Vesperkirchenleiter.

Rund 45 000 Euro hat die diesjährige Vesperkirche gekostet. Einige Spenden seien schon eingegangen, doch Weißenborn hofft, dass sich weitere Unterstützer finden, denn das Projekt sei dringend auf Spenden angewiesen.

Wie die Vesperkirche 2022 aussehen wird, darüber wollen die Verantwortlichen nicht spekulieren. „Doch wir hoffen, dass es irgendwann wieder eine Vesperkirche in der Frauenkirche geben wird“, so Weißenborn. Denn gerade die besondere Atmosphäre in der spätgotischen Kirche schätzen viele Besucherinnen und Besucher. Und dort soll es dann auch wieder heißen „Gemeinsam an einem Tisch“.
Getragen wird die Vesperkirche vom Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen und der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Kooperation unter anderem mit der Katholischen Gesamtkirchengemeinde, der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Caritas Region Fils-Neckar-Alb.

Spendenkonto:

Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen
IBAN: DE24 6115 0020 0000 9025 79
Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen
Verwendungszweck: Vesperkirche