15.07.20

Siegbert Ammann

Pfarrer Siegbert Ammann wechselt von Hegensberg-Liebersbronn in Esslingen nach Affalterbach.

© U. Rapp-Hirrlinger

Siegbert Ammann in der evangelischen Kirche Hegensberg-Liebersbronn

Nach zehn Jahren sagt Pfarrer Siegbert Ammann der Evangelischen Kirchengemeinde Hegensberg-Liebersbronn in Esslingen adieu. Der 52-Jährige wird ab 1. September eine Pfarrstelle in Affalterbach übernehmen.

Alle paar Jahre seine Sachen zu packen und umzuziehen, das ist Siegbert Ammann als Sohn eines Pfarrers von Kindheit an gewöhnt. Nachdem sein älterer Sohn Julian das Abitur in der Tasche hat und für Ammanns Frau Christiane Draeger-Ammann die Rückkehr in den staatlichen Schuldienst ansteht, war die Zeit für einen Wechsel der Pfarrstelle gekommen.

An Hegensberg-Liebersbronn wird er sich als Gemeinde mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein erinnern, „die weiß, was sie will und was nicht“. Ammann war vor allem die Seelsorge sehr wichtig. Besonders Besuche bei Hochbetagten lagen ihm am Herzen. „Wenn Menschen nicht mehr in den Gottesdienst oder in den Seniorenkreis kommen können, muss man zu ihnen hingehen“, sagt der Theologe. Auf der anderen Seite seien die Jungsenioren heute viel aktiver. So lädt Ammann seit einiger Zeit die 70- und 75-Jährigen zu einer gemeinsamen Kaffeerunde ein, statt sie am Geburtstag jeweils zu besuchen.

Doch auch junge Menschen hatte der Pfarrer im Blick. „Ich möchte Kindern gute Erfahrungen mit der Kirche vermitteln.“ Das beginnt in der Schule, wo Ammann mit Begeisterung unterrichtete – zunächst am Mörike-Gymnasium, später an der Grundschule im Stadtteil. Den Grundschulkindern hat er gerne Geschichten erzählt und mit ihnen gebastelt. Von seiner Frau, die derzeit Lehrerin an der Freien Evangelischen Schule in Esslingen ist, habe er manchen guten Tipp für den Unterricht bekommen. Sie selbst habe sich aber auch von ihm das eine oder andere abgeguckt.

Viel Herzblut steckte Ammann auch in die Aktivitäten mit den jeweiligen Konfirmanden. „Schul- und Konfirmandenunterricht sollten sich ergänzen“, ist er überzeugt. Der Pfarrer freut sich, dass zahlreiche Beziehungen die Konfi-Zeit überdauerten.

Nicht selten habe er auch als „Sozialamt“ fungiert, wenn sich Menschen in Not an ihn wandten, erzählt er. Dann half er nicht nur mit Geld und gutem Rat aus, sondern begleitete den einen oder anderen auch auf Ämter, um ihnen zu helfen, ihre Interessen durchzusetzen. „Ungerechtigkeiten kann ich nicht ertragen. Da mische ich mich ein“, sagt Ammann.

Hegensberg-Liebersbronn bildet gemeinsam mit Oberesslingen, Zell und der Esslinger Johanneskirchengemeinde einen pfarramtlichen Distrikt. „Wir haben sehr kollegial zusammengearbeitet und sind füreinander eingetreten“, meint er mit Blick auf seine fünf Kollegen. Das war vor allem in den Planungen für den Pfarrplan wichtig. Bis 2024 werden im Distrikt zwei Pfarrstellen wegfallen. Darauf müssen sich die Kirchengemeinden einstellen. Deshalb habe man schon sogenannte „Doppeldienste“ geprobt, bei denen ein Pfarrer zwei Gottesdienste an einem Sonntag hält. Ammann war im Team oft fürs Organisatorische zuständig. „Klare Regelungen und gute Absprachen sind mir wichtig.“ Öl und nicht Sand im Getriebe wolle er sein, betont Ammann. Dass die Arbeit mit dem Computer sein Steckenpferd ist, kam in der Corona-Zeit vielen Kollegen zu Gute, wenn er ihnen half, Video-Konferenzen einzurichten. Da lag es nahe, dass er im Evangelischen Kirchenbezirk auch für das Thema Datenschutz zuständig war.

In Affalterbach erwartet ihn eine Kirchengemeinde mit rund 2000 Mitgliedern, die damit eine ähnliche Größe wie die in Hegensberg-Liebersbronn hat. Auch sie sei eine sehr aktive Gemeinde, die etwa jedes Jahr eine Dorffreizeit für Kinder auf die Beine stellt. Da hilft das halbe Dorf mit“, hat Ammann erfahren. Ein starker Stamm von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern gestalte das Gemeindeleben. Dass der CVJM in Affalterbach großes Gewicht hat, gefällt Ammann. „Ich bin selbst durch und durch CVJMler“, verrät er.

Im August werden Siegbert Ammann, seine Frau und der jüngere Sohn Jakob nach Affalterbach umziehen.

•    Am Sonntag, 26. Juli, wird Pfarrer Ammann in Esslingen verabschiedet. Die Verabschiedung coronabedingt in zwei Schichten: Es besteht die Möglichkeit, sich entweder nach dem Gottesdienst um 10 Uhr oder dem sich anschließenden CVJM-Sommerfest im Kirchgarten von Pfarrer Ammann und seiner Familie zu verabschieden, oder aber bei der auf 18 Uhr angesetzten offiziellen Verabschiedung mit Beiträgen aus der Gemeinde und der Entpflichtung durch Dekan Bernd Weißenborn. Da beide Veranstaltungen im Freien stattfinden, wird gebeten, nach Möglichkeit eine eigene Sitzgelegenheit (Klappstuhl, Picknickdecke) mitzubringen.