16.07.20

Elvira Postic

Elvira Postic ist neue Vorsitzende der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen.

© U. Rapp-Hirrlinger

Dekan Weißenborn übergibt Elvira Postic die Urkunde zur Ehrenbeamtin

„Ich habe keine Scheu, neue Aufgaben anzugehen“, sagt Elvira Postic. Die 66-Jährige wurde jetzt zur Vorsitzenden der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen gewählt. Gemeinsam mit Dekan Bernd Weißenborn wird sie die Gesamtkirchengemeinde, in der neun Esslinger Teilkirchengemeinen zusammengeschlossen sind, nach außen vertreten und die Arbeit des Gesamtkirchengemeinderats verantworten. Weißenborn freut sich auf die Zusammenarbeit „im Tandem“. Zum ersten Mal stehe eine Frau an der Spitze des Gremiums. „Elvira Postic bringt viele gute Gaben, großes Engagement und Interesse für ihre neue Aufgabe mit“, betont der Dekan. Er übergab ihr die Urkunde, die sie nun als Ehrenbeamtin in der Kirche ausweist.

Um einer solch großen Gesamtkirchengemeinde vorzustehen, braucht es Managerqualitäten. Und die bringt Elvira Postic in Fülle mit. Die Mutter von vier erwachsenen Kindern ist studierte Maschinenbauingenieurin und hat zusätzlich ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert, bevor sie in die Leitung des großelterlichen Betriebs eintrat. In der Esslinger Firma Wilhelm Weber war sie über viele Jahre Geschäftsführerin. Jetzt ist sie im Ruhestand.

 „Ich setze mich gerne mit Glaubensfragen auseinander“, sagt sie ohne zu verhehlen, dass es auch Zeiten des Zweifels gebe. Als ihre eigenen vier Kinder in den Kindergarten kamen, ließ sie sich in Oberesslingen, wo sie als Kind selbst die Kinderkirche besucht hatte, für den Kirchengemeinderat aufstellen. Nach einer Amtszeit sei sie aber beruflich wieder so eingespannt gewesen, dass sie sich sagte: „Das ist eine Aufgabe für die Zeit, wenn ich im Ruhestand bin.“ Und als es so weit war, ließ sich Postic bei der letzten Kirchenwahl im vergangenen Dezember erneut für den Kirchengemeinderat gewinnen und vertrat seitdem die Oberesslinger Gemeinde auch im Gesamtkirchengemeinderat. Als die Anfrage kam, ob sie den Vorsitz des Gesamtkirchengemeinderats übernehmen wolle, sagte Postic gerne zu. „Ich denke, ich kann mein Managementwissen einbringen. Schließlich haben wir eine große Personal- und Finanzverantwortung.“ Elvira Postic setzt auf Teamarbeit. Sie hoffe auf Unterstützung durch das Gremium und durch den Dekan, denn eine Einzelkämpferin will sie nicht sein. Entscheidungen sollten zusammen erarbeitet werden, sagt sie.

Kirche müsse nicht nur das religiöse, sondern auch das alltägliche Leben mitgestalten, ist Postic überzeugt. Christliche Grundwerte und soziale Verantwortung in der Arbeitswelt waren ihr schon im Berufsleben ein wichtiges Thema. Immer wieder hat sie sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie sie ihr Christsein mit ihrem beruflichen Engagement unter einen Hut bringen könne. Das habe auch bedeutet, christliche Werte im Umgang mit den Mitarbeitern einzubringen.

Noch muss sie sich in ihr neues Amt einfinden, das sie nun für sechs Jahre innehat. Doch ein Schwerpunktthema nennt sie schon: Kinder und Jugendliche liegen der vierfachen Mutter und zweifachen Großmutter sehr am Herzen. Neben den eigenen Söhnen und Töchtern hat sie sich zudem um Pflegekinder gekümmert und Nachhilfe gegeben.