25.05.21

Corona

An der Esslinger Hohenkreuzkirche werden jetzt Corona-Tests abgenommen.

© U. Rapp-Hirrlinger

Jessica Binder nimmt unter den Arkaden der Hohenkreuzkirche einen Corona-Test ab

© U. Rapp-Hirrlinger

Das Organisationsteam: Markus Oßwald, Pfarrer Christoph Schweizer und Sofia Micko (v.l.)

„Popeln im Namen des Herrn“ nennt Pfarrer Christoph Schweizer von der Evangelischen Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz in Esslingen mit Augenzwinkern die Aktion, die er gemeinsam mit dem Ökumenischen Krankenpflegeverein (KPV), der örtlichen Bären-Apotheke und dem Deutschen Roten Kreuz initiiert hat.

Seit kurzem können sich Menschen dreimal in der Woche unter den Arkaden der Hohenkreuzkirche auf Corona testen lassen. Dass alles reibungslos läuft, dafür sorgt vor allem eine Gruppe Ehrenamtlicher aus der Kirchengemeinde, aber auch örtlichen Vereinen. Derzeit wird montags und mittwochs von 17.30 bis 19 Uhr getestet, samstags von 10  bis 11.30 Uhr. „Wir starten bewusst klein, können die Testzeiten aber ausweiten“, sagt Schweizer. Der Pfarrer ist sicher, dass man sich auf einen Langstreckenlauf begeben hat. „Mit den Öffnungen wird auch der Bedarf steigen.“

An diesem windigen Samstagvormittag werden im Zwei-Minuten-Takt die Tests durchgeführt. Damit können in 90 Minuten 45 Personen getestet werden. Sie alle mussten sich vorher online anmelden. Nach der Registrierung, für die ein Vorstandsmitglied des KPV den nötigen Rechner spendete, geht es weiter in einen abgeschirmten Bereich. Dort zückt Jessica Binder das Wattestäbchen. „Ich will meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass wir bald wieder ein normales Leben führen können“, begründet sie ihr ehrenamtliches Engagement.

Das motiviert auch Sofia Micko, die sich intensiv im Organisationsteam einbringt und an diesem Vormittag an allen Stellen gleichzeitig zu sein scheint. Die Grafik- und Webdesignerin ist erfahren in Schulung und Projektmanagement und hat im Stadtteil unter anderem das Einkaufshilfe-Netzwerk mit auf die Beine gestellt.  Außerdem bringt sie wertvolles Wissen im EDV-Bereich mit. „Ich wollte einfach helfen und arbeite gerne mit Menschen zusammen“, sagt Micko. Anders als Micko stammt Marika Cappas nicht aus Hohenkreuz, sondern ist aus Mettingen zur Gruppe der Ehrenamtlichen gestoßen. Auch sie will mithelfen, „dass wir Corona bald hinter uns lassen und zur Normalität zurückkehren“. Die Personal-Fachfrau bringt sich als Springerin ein und hat unter anderem detaillierte Anleitungen geschrieben, die für die Ehrenamtlichen jeden Schritt des Testvorgangs dokumentieren.

Während die Testabnahme im Freien stattfindet, „um nicht die ganzen Menschen durch den Kirchenraum  zu schleusen“, wie Schweizer erklärt, befindet sich das Labor, in dem die Tests ausgewertet werden, im Inneren der Kirche. Dort wacht Andrea Knoll, im Hauptberuf Kita-Leiterin, über die Röhrchen und Testkassetten und dokumentiert alles. Das persönliche Ergebnis gibt es danach über eine App aufs Handy.

Einzelpersonen, oft aber auch Familien mit Kindern kommen zum Test an die Kirche. Einige lassen sich zu ihrer eigenen Sicherheit testen, andere planen Besuche bei Verwandten oder brauchen ein negatives Ergebnis für den Einkauf oder Friseurbesuch. Aber auch Urlaubsreisende sind darunter.

 „Wir wollen mit der Aktion ein Zeichen setzen, dass die Kirche sich für den Stadtteil einsetzt“, sagt Schweizer. Auf die Idee, ein Testzentrum aufzubauen, hat ihn eine Nachbarin gebracht. Im Inhaber der nur wenige Schritte entfernt liegenden Bären-Apotheke, Dr. Björn Schittenhelm, fand er einen wichtigen Partner mit dem nötigen Knowhow. Der Apotheker ist bereits an anderen Stellen in Sachen Corona-Tests aktiv, darunter im Schnelltestzentrum in Oberesslingen, und fungiert als Betreiber des Testzentrums an der Kirche. Er liefert nicht nur das gesamte Material – Testkits, Schutzkittel, Handschuhe und Desinfektionsmittel – sondern stellt auch das für die Abwicklung nötige EDV-Programm zu Verfügung und schult die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Koordiniert und organisiert wird die Aktion neben Schweizer und Schittenhelm von Sofia Micko, Vorstandsmitglied im KPV, Markus Oßwald, Bereitschaftsleiter des Esslinger DRK, und Marika Cappas. Das DRK stehe mit seinen Erfahrungen unter anderem im Testzentrum Oberesslingen jederzeit parat, wenn Unterstützung gebraucht werde, betont Oßwald. Auch für die Qualitätssicherung der Testungen ist das DRK verantwortlich. Micko und Cappas verstehen sich als Multiplikatorinnen, die andere Ehrenamtliche einarbeiten und anleiten.

24 einsatzbereite Frauen und Männer stehen derzeit auf der Liste, aus der Micko die Einsatzpläne zusammenstellt. „Die Organisation ist komplexer als anfänglich gedacht“, gesteht sie. Weitere Ehrenamtliche sollen gewonnen werden. „Es ist wichtig, viele Personen im Pool zu haben, weil die Aktion noch einige Zeit dauern wird“, betont Schweizer. Der Pfarrer ist dankbar für den großen Rückhalt in der Kirchengemeinde, aber auch im Stadtteil: „So funktioniert Ehrenamt. Meine Aufgabe als Pfarrer ist es, Leute zu vernetzen, die ihre Kompetenzen einbringen.“

•    Anmeldung zum Corona-Test in Esslingen-Hohenkreuz unter www.corona-schnelltest-esslingen.de