19.03.21

Bezirkssynode

Die Synode des Evangelischen Kirchenbezirks hat erstmals digital getagt.

© Ch. Schweizer

Nicht einmal mehr mit großem Abstand wie im letzten Jahr, sondern digital tagte die Synode.

Dekan Bernd Weißenborn sprach über Ideen und Krisenmanagement in der Coronazeit und warb dafür, dass die Kirche die biblische Hoffnungsbotschaft ins Gespräch bringt. Er sprach sich zudem klar gegen assistierten Suizid in kirchlichen Pflegeeinrichtungen aus.

In seinem aktuellen Bericht vor der Bezirkssynode hat Weißenborn den Kirchengemeinen und Verantwortungsträgern für ihr Engagement in der Coronakrise gedankt, „weil sie auch in der Krise geblieben sind, mitgedacht, mitgebetet, mitgetan haben. Sorgenetze wurden geknüpft und neue Gottesdienstformate entwickelt.“ Die politisch Verantwortlichen würden die Bürgerinnen und Bürger gut durch die Pandemie-Zeiten bringen, ist der Dekan überzeugt. Ein „allgemeines Politikerbashing“ lehnt er ab. Allerdings: „Wenn die Not anderer ausgenützt wird, um sich persönlich zu bereichern, dann müssen wir das deutlich ansprechen.“

Kranksein, Sterben und Trauer seien schon unter normalen Bedingungen „fordernd und für niemanden einfach“. In Corona-Zeiten sei dies noch schwieriger und die Bewältigung noch belastender. Die Begleitung am Kranken- und Sterbebett ist eingeschränkt. Die Einsamkeit von Sterbenden zeige sich „vielfach noch einmal viel bedrückender“. Trauerfeiern fänden verkürzt statt, „ohne Umarmungen, ohne ein anschließendes Zusammensein“ – dies sei für die Trauernden und für diejenigen, die sie begleiten, schwer auszuhalten. Auch für die Pfarrerinnen und Pfarrer. Dekan Weißenborn lädt deshalb zu einem zentralen Gottesdienst zum Gedenken an die Verstorbenen der Corona-Pandemie am Palmsonntag, 28. März, um 17 Uhr in der Esslinger Stadtkirche ein.

Eine klare Absage erteilt Weißenborn Überlegungen, dem Sterbehilfeurteil des Bundesverfassungsgerichtes so zu folgen, dass die Selbstbestimmung am Lebensende und damit auch die Möglichkeit von assistierten Suiziden gestärkt werden. Die Diakonie habe den Auftrag, „dem Leben zu dienen bis zuletzt“. Dieser Auftrag werde ins Gegenteil verkehrt, sollte Diakonie sich in ihren Einrichtungen für eine begleitete Suizidassistenz öffnen und so als Institution bei der Herbeiführung des Todes involviert sein.

Im Kern gehe es dabei um die Frage, welchen Auftrag Kirche und Diakonie im Umgang mit dem Sterben und Sterbewünschen haben. „Seelsorgerlich lassen wir niemanden allein, aber für mich gibt es Grenzen dessen, was wir tun dürfen“, ist Bernd Weißenborn überzeugt. Er zitiert eine Erklärung des Hospiz Esslingen, das von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen getragen wird: „Suizid ist keine Lösung…, selbst wenn er begleitet und scheinbar frei entschieden ist. Wir warnen ausdrücklich davor, dass solche Beispiele in stationären Einrichtungen Schule machen und Druck ausüben auf jene, die krank, alt, gebrechlich, hilfebedürftig sind und sich durch Suizide von Mitbewohner*innen fragen müssen, ob sie denn noch eine Daseinsberechtigung haben oder sich nicht auch in einer Art von sozialer oder auch ökonomischer Verantwortung und Vernunft ‚abschaffen‘ sollten.“ Im Hospiz mache man vielfach die Erfahrung, dass die Zeit des Sterbens eine wertvolle Zeit sei: „Gerade in den letzten Tagen des Lebens geschehen oft Dinge, die den sterbenden Menschen selber und auch den Hinterbleibenden das Sterben als eine kostbare Zeit der Begegnungen und der Verbundenheit erfahrbar machen, die es anders nicht gegeben hätte. Das betrachten wir als eine Art der Gotteserfahrung und der Erkenntnis dessen, dass das Sterben im Leben geborgen ist und bleibt.“

Die evangelische Kirche lebt in herausfordernden Zeiten, auch bedingt durch viele  Kirchenaustritte im Jahr 2020. Die Ursachen dafür seien „vielfältig und komplex“. Manchen ist die Kirchensteuer zu hoch, andere sind erschüttert über Missbrauchs-Skandale. „In allem liegt auch das Thema der weiter um sich greifenden Entfremdung der Menschen zu uns.“ Viele fragten sich, warum man in einem entwickelten Sozialstaat eigentlich noch in der Kirche sein soll. In dieser Situation seien die Kirche und damit die Christinnen und Christen auf allen Ebenen gefordert: „Welche Antworten haben wir?“ Weißenborn ermutigte die Mitglieder der Bezirkssynode, sich in Ihren Gemeinden und in der Kirche als Ganzes darüber Gedanken zu machen und sich Zeit zu nehmen, diese Antworten des Glaubens zu finden. Für Weißenborn schenkt die Bibel „starke Bilder von der Zukunft, Visionen von dem, was sein wird“. Diese Hoffnung für schwierige Zeiten gelte es ins Gespräch zu bringen.