Predigt vom 21. Mai 2020 (Christi Himmelfahrt)

Liebe Gemeinde,
der Predigttext dieses Jahr zu Himmelfahrt steht im Johannes – Evangelium, die letzten Verse aus Kapitel 17. Das ist die Schnittstelle am Ende langer Reden des irdischen Jesus, der hier die Jünger auf seine Gegenwart nach Ostern vorbereitet. Das ganze Kapitel 17 ist ein Gebet, in dem Jesus seinen Vater im Himmel für die Gemeinde, die Kirche bittet. In Kapitel 18 folgt dann Passion und Ostern.

Ab Johannes 17, 20
Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.
Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Liebe Gemeinde,

Ein fremder Text. Jesus, der Sohn, bittet Gott, den Vater, für seine Gemeinde und er beschreibt darin alle drei als ineinander, füreinander und für die Welt. Ein Fürbittgebet, vor Ostern von Jesus zum Vater gesprochen, aber derjenige, der dann nach Ostern für die Gemeinde das erlebbar machen wird, ist der Heilige Geist.
Sozusagen eine Erzählung der Trinität, der Dreieinigkeit. Die will natürlich nicht allein bei sich bleiben, sondern die Gemeinde, die Menschen mit hineinnehmen. In die Einheit. In die Herrlichkeit. In die Liebe. Alles drei, Einheit, Herrlichkeit und Liebe schon als Geschehen zwischen, mit Vater und Sohn, alles drei soll auf das Geschehen an der Gemeinde und innerhalb der Gemeinde ausgreifen.

Fremd. Vertrauter sind uns die Imperative, Aufforderungen:
Folget mir nach!
Liebet einander, bzw. liebe deinen Nächsten!
Seid einmütig!
Meine Vermutung ist, dass unser Predigttext ähnliches sagen will, nun eben nicht als Imperativ, sondern anhand einer Geschichte.
Dies sind die zwei zentralen jüdischen Gattungen beim Lesen der Tora, der fünf Bücher Mose: Hagada und Halacha. Gebote und Erzählungen.

Folget mir nach!
Ich vermute, dass mit der Herrlichkeit, die der Vater dem Sohn gibt und die dieser an die Gemeinde weiterreicht, ähnliches gesagt wird! Klingt erst einmal komisch, ist doch Herrlichkeit, kabod im Alten Testament, ein Wort, das gerade die Schwere, das Gewicht, so die ursprüngliche Wortbedeutung, also die Ehre, das Thronen Gottes im Himmel beschreibt.
Doch im Johannes – Evangelium hat das Verherrlichen Gottes in Christus, des Sohnes im Vater einen eigenen Zungenschlag: Das Kreuz ist der Ort, an dem Christus den Vater verherrlicht. Herrlichkeit mitten im Tod. Herrlichkeit: Das Sein bei Gott und doch auch in Elend, Not und Tod. Beides.
Wie auch in der Nachfolge: Das Kreuz auf sich nehmen, aber eben auch die Verheißung der Zuwendung, Nähe und Gegenwart Gottes.


Liebet einander! Liebe deinen Nächsten!
Schon in den fünf Büchern Mose gibt es diesen Imperativ. Und dann ganz zentral in der Verkündigung Jesu in den drei ersten, den synoptischen Evangelien: Das Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie Dich selbst! Und bei Johannes: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.
Hier nun in unserem Predigttext wird von der Liebe erzählt, der Vater liebt den Sohn, der Sohn die Gemeinde, die Gemeinde wird mit hineingenommen in das Geschehen der Liebe von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Kurz vor unserem Predigttext spricht Christus: Ich habe euch zuerst geliebt. Die Liebe geht von Gott aus, lebt im Miteinander von Vater, Sohn und Geist, ja, Gott ist geradezu Liebe. Und diese Liebe ergießt sich auf die Gemeinde.

Seid einmütig!
Dieses Gebot findet sich öfters in den Briefen im Neuen Testament, in den Aufforderungen, wie es in der Gemeinde zugehen soll.
Hier bei Johannes ist die Einheit der Gemeinde Folge der Einheit Gottes, ein Gott, ein Vater, ein Sohn, ein Geist, ineinander und in der Gemeinde, wie sollte es da mehrere Gemeinden / Kirchen geben? Aber wie diese Einheit dann für uns heute herunter zu brechen ist, katholisch oder etwa als versöhnte Verschiedenheit, das steht auf einem anderen Blatt.

Soweit erst einmal. Erzählung statt Imperativ.
Aber stimmt das: Erzählung? Sicher, es wird beschrieben, wie Gott ist und wie seine Gemeinde ist.
Aber eben doch nicht einfach: so ist es! Sondern als Gebet Jesu zum Vater. Als Bitte. Als Fürbitte. So möge es sein! Wohl auch im Wissen, dass es in der Gemeinde eben nicht selbstverständlich so ist: Nachfolge, Liebe, Einigkeit. Christus bittet darum. Und wenn Christus Gott um etwas bittet, dann ist es vielleicht auch schon so. Aber eben doch nur in der Form des Gebetes.
Und da können wir heute einsteigen: Auch im Gebet vor Gott bringen, wie Gemeinde, wie Kirche sein soll. Nicht eben nur unsere Phantasien, was wir in der Gemeinde gern alles hätten, sondern bitten im Einklang mit Christus: Nachfolge, Liebe, Einigkeit.

Himmelfahrt: Auch eine Frage nach dem Ort, an dem Christus nach Ostern ist. Im Bekenntnis: Aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes …
Hier bei Johannes die Bitte Jesu: Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast: Hier wird die Antwort auf den Ort sein: Christus ist in den Seinen, in seiner Gemeinde, und die ist gleichzeitig im Himmel geborgen und auf Erden in der größten Bedrängnis.
Und so können wir in aller Bedrängnis, in allen Wechselfällen der Corona – Zeit auch mit Christus vor Gott bringen: Nimm uns hinein in Dein Geschehen von Herrlichkeit, Liebe und Einigkeit.

Amen